Nähe
Bedingt durch das Auseinanderdriften der Gesellschaft fällt es dem menschlichen Individuum zunehmend schwerer, Vertrauen und moralische Integrität zu entwickeln. Verunsichert durch eine Medienkultur der Härte, durch Schaukämpfe und Gehässigkeiten scheut der Mensch die Begegnung mit der Kamera. Nähe jedoch ist wichtig. Es ist ein Ausdruck von Interesse.
Fotografisches Arbeiten lässt sich gut vergleichen mit der asiatischen Teezeremonie. Nachdem wir Hände und Gesicht mit einem heißen Tuch gereinigt haben, beobachten wir den Prozess der Zubereitung. Schluck für Schluck schmecken wir dem letzten Aufguss hinterher.
Nüchtern betrachtet ist es nur Wasser in Ton-Schalen. Aber die Dinge bekommen ihren Wert, indem wir sie wertschätzen. Wir beobachten die flinken Hände des Mädchens, lauschen dem plätschernden Wasser und trinken uns mit wenigen Schlucken in einen Zustand entspannter Ausgeglichenheit. Indem wir die Ruhe würdigen, finden wir zurück zu unserer eigenen Würde. Der Moment, um auf den Auslöser zu drücken, ist gekommen.


